Nebel, Sonne, Regen, Flaute, Sturm, Wellen, Strömung, … segeln in den Shetland ist nicht langweilig. Gerade warm eingepackt, kommt die Sonne raus. Das Reff eingezogen und die Flaute setzt ein.

Es beginnt als Kaffeefahrt mit Sonne und flachem Wasser, später dann bei 20 Knoten Wind und mit 4 Knoten Strömung und 8 Knoten Fahrt in den Nordkanal von Lerwick eingelaufen. Vom Morgen auf den Abend zu schließen ist vergebene Mühe. Als trainierter, deutscher Skipper suche ich eine Route aus, definiere mir Ausweichhäfen, die Gezeiten und Strömungen schaue ich mir an – und wundere mich, dass doch alles anders kommt. Strömung bilden “BackEddies” (Rückströmungen) um Felsen und Landzungen, das Wetter ändert sich und der Wind wird von Land und Wasser abgelenkt. Die Leute hier scheinen alles lockerer zu nehmen. Fahren los und werden ankommen. Ungefähr da halt, wo es hin gehen sollte. Betonung auf ungefähr.

Auf dem Weg Puffin’s (Papageitaucher) gesehen. Erst dachte ich es sind Pinguine, von denen ich bisher aber nichts in Bezug auf die Shetlands gelesen hatte.

Basstölpel bei der Jagd nach Hering. In 10-20m Höhe kreisen die Vögel auf der Suche nach Fischen, um dann im Sturzflug und angeklappten Flügeln wie ein Speer ins Wasser zu schießen. Beeindruckend.

Ich habe wieder den Nautical Almanac rausgeholt, wir sind wieder in Gezeitenzonen. Es ist gerade Vollmond. Das ergibt ausgeprägte Gezeiten (also besonders niedriges Niedrigwasser und hohes Hochwasser), die sogenannte “Spring Tide”. Zur Spring Tide sind die meisten Häfen für die Fleur bei Niedrigwasser leider zu flach. Ankern ist angesagt. In MidYell klappt das wunderbar. Der Anker hält wie fest betoniert, selbst bei den zackigen Böen rührt sich nix. In Vidlin, wo ich in den Hafen wollte der sich aber wie gesagt als zu flach erwies, hatte ich wohl 3 mal den Anker geworfen um nur ein Bündel Seegras zu ernten, aber keinen Halt zu finden. Nach ungefähr 10 mal in der Bucht kreisen, um eine sandige Stelle in 3 m Tiefe zu finden, hat dann der Anker auch gehalten. Alles nicht so einfach wenn man alleine ist. Stelle finden, merken, im weitem Bogen gegen den Wind hin fahren, aufstoppen, an den Bug eilen, warten bis das Boot langsam zurück driftet, Anker raus lassen und die sandige 2 qm große Stelle treffen, 20 m Kette raus lassen, nach hinten, Boot in den Wind ausrichten, mit Rückwärtsfahrt den Anker eingraben, wieder vor, 5 m Kette wieder einholen um den Schwojkreis zu reduzieren (die Bucht war klein), Kettenhaken fest machen, nach hinten noch mal Rückwärtsgas und checken ob alles hält, Motor aus, GPS Ankeralarm einschalten. Geschafft. Dann nur noch Boot klar machen, Segel ordentlich auftuchen, etc. Anlegerbier und Abendessen. Und immer das GPS im Auge behalten!

Strömungen bis 6 kn, 4kn sind “normal” und 1-2 Knoten werden als “light” bezeichnet.
Jeder einzelne Stein und jede Untiefe sind benannt. Vor allem mit lustigen Namen wie “The Hogo Baas”, “South Hill of Luna”, “Dragon Ness”, “Muckle Fladicap”, “Green Holm” und viele mehr. Oft bezeichnend nach dem Erscheinen oder der geografischen Gegebenheiten. Ein Holm ist eine Insel, ein Voe eine Bucht, ein Head eine Landecke, ein Mouth ist eine Einfahrt in ein Voe oder ein Fjord. Damit machen dann Namen, wie “East Voe of Quariff”, Sinn – die östliche Bucht von Quariff.


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