War das kalt gestern Nacht. Wegen dem Verkehr vor Cuxhaven und in der Deutschen Bucht konnte ich zudem kaum ein Auge zu machen. Dazu hat’s gekachelt was das Zeug hält. Im Schlafsack eingemummelt, in den Sitzsack gekauert immmer einen Blick auf die Segel, das GPS und den Verkehr um mich. Nur Lichter. Rot, grün, funkelnd, leuchtend und immer wieder als ob ein liegendes Hochhaus an einem vorbei schwimmt. Um 06:40 nach 25 Stunden in Helgoland eingelaufen – und erst mal schlafen gegangen.

In Vlieland um 05:30 aufgebrochen. Sonnenaufgang auf der Fahrt aus dem Ijselemeer. Wind aus Nord mit 10 Knoten. Klasse, endlich mal was für mich. Gemütlich in Richtung Borkum, wenn’s gut läuft auch etwas weiter. Ca. 10 Meilen vor der Küste verläuft die Schiffsverkehrsstraße zu den großen Häfen in Ems, Jade, Weser und Elbe. An der habe ich mich in 1km Entfernung entlang gehangelt. Immer die Monster Frachter im Blick. Bei der Ems wurde es das erste mal spannend. Genau schauen, planen und dann flux die Verkehrsstraße der Ems queren. Es ist noch zeitig und ich lasse Borkum rechts liegen. Wäre noch eine gute Stunde in die Ems-Mündung, die kann ich auch in Richtung Norden fahren.

Stockdunkel ist es nun und Norderney’s Lichter funkeln am Horizont. Gemütlich will ich dahin-cruisen und habe vor dem dunkel werden noch das zweite Reff eingebunden. Aber der Wind will anders. Aus den gemütlichen 10 Knoten sind 15 bis über 20 geworden. Wir rasen durch die Nacht, in tiefschwarzem Wasser dessen Gischt von meinen Postionslaternen rot und grün angestrahlt wird. Schlafen ist da nicht viel.

Und viel zu früh bin ich an der nächsten Herausforderung. Ems war im Vergleich zu Jade/ Weser Mündung ein Kinderspiel. Hier ist mal richtig was los. Die “Mila”, ein großer Frachter kommt mit 12 Knoten daher, danach gleich noch ein Tanker und aus der Weser auch 2-3 große Kähne. Ich muß langsamer werden, brauche Zeit um einen Weg zu finden. Manövrieren geht nicht viel. Die Fock einrollen, das Groß auf. Aus 7-8 Knoten werden 5-6. Immer noch zackig, aber jetzt deutlich übersichtlicher. Wenn die “Mila” vorbei ist, ziehe ich durch. Erst durch die Schifffahrtstraße der Ems nach Westen und dann scharf links nach Norden durch die große Schifffahrtstraße nach Cuxhaven/ Elbe. 5 Meilen ist die breit und ein Frachter nach dem anderen. Der Wind peitscht uns quasi durch. Ich habe Schiss.

In Richtung Helgoland dann noch durch auf Reede liegende Schiffe durchzwängen. Uff. Jetzt geht’s genau gegen die Wellen. Krach. Platsch. Peng. Ab und an sind richtig dicke Dinger dabei. Im Schein der Stirnlampe scheint die Fleur zum Erdemittelpunkt, um dann gleich wieder steil nach oben zum Himmel fahren zu wollen.

Um 06:40 dann Helgoland Hafen. Habe fertig – für heute.


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